30.09.2016: SANKT PETERSBURG (Russland)

Reisenotizen:

Freitag, 30.09.2016

Liegezeit: 7:00 Uhr bis Samstag 01.10.2016 um 20:00 Uhr
Liegeplatz: Pier #3 of Marine Facade
Wetter: wechselhaft, 14 Grad

Nächste Etappe: 200 Seemeilen (370 Kilometer) bis Tallinn


Reisebericht:

Ahoi Ahoi und Guten Morgen aus Sankt Petersburg.  Mann, haben wir gut und fest geschlafen. Wir haben von anderen Reisenden gehört das die Nacht sehr schaukelig gewesen sein soll … Wir haben nichts mitbekommen.

Wir legen am neuen Kreuzfahrtterminal an, das etwas außerhalb der Stadt liegt. In Sankt Petersburg leben offiziell 5 Millionen Menschen, inoffiziell sind es mehr als 8 Millionen. Damit ist Sankt Petersburg nach Moskau die zweitgrößte russische Stadt.

Sankt Petersburg empfängt uns mit blauen Himmel und Sonne. Es ist zwar kalt und windig, aber das macht nichts. Hoffentlich hält es noch ein bisschen.

Ausflüge mit Sergej

Wir haben für heute und morgen wieder bei Sergej von Petersburg-hautnah unsere Ausflüge gebucht. Wir kennen Sergej schon vom letzten Jahr. Da haben wir unsere Ausflüge auch über ihn gebucht und es war einfach klasse. Die Ausflüge finden in kleinen Gruppen statt und sind sehr individuell. Das gefällt uns. Und wichtig: Sergej kümmert sich im Vorfeld um das Tour-Visum. Denn ohne Visum darf man in Russland nicht einreisen.

Heute stehen der Katharinenpalast und der Peterhof auf dem Programm und morgen die Eremitage. Laut unseren Reiseunterlagen die wir von Sergej bekommen haben, sollen wir um halb zehn vom Schiff gehen. Die Gangway liegt wieder auf Deck 6. Heißt für uns: Kurze Wege 🙂

Wir sind ruckzuck durch die Passkontrolle. Nach der Kontrolle erwarten uns schon Mitarbeiterinnen von Sergej. Sie teilen uns in Gruppen ein. Wir bilden zusammen mit zwei anderen Pärchen (Eva und Dennis, Hans-Peter und Katharina aus Freiburg) eine „kleine Familie“ 🙂 Zusammen mit Eugenia (sprich: jevtschenja) – unserer Reiseleiterin für heute und morgen – und Vitali unserem Busfahrer sind wir eine sehr überschaubare Reisefamilie.

Erste Station: Peterhof

Die Stadt Peterhof mit dem gleichnamigen Schloss liegt rund 30 Kilometer westlich von Sankt Petersburg. Wir fahren knapp eine Stunde durch die Stadt und verschiedene Vororte zum Peterhof. In der Stadt herrscht unglaublich viel Verkehr. Erst auf der Autobahn wird es besser.

Die Palastanlage an der Ostsee wurde ursprünglich von Peter I. errichtet und von seinen Nachfolgern ausgebaut. Das Gelände gilt als das „russisches Versailles“ und ist seit 1990 Weltkulturerbe der UNESCO.

Als wir am Peterhof ankommen ist der Himmel immer noch blau. Darauf haben Astrid und ich so sehr gehofft. Letztes Jahr hatten wir alles grau in grau. Es hat uns sehr gefallen, sehr imposant und beeindruckend – aber halt grau. Und heute mit blauem Himmel und Sonne… HAMMER. Grandios. Uns fehlen die Worte.

Wir bleiben ca. eine Stunde und laufen durch die riesige, wunderschöne Parkanlage. Die Bäume tragen wunderschöne Herbstfarben.

Wasser, Wasser überall 🙂

Überall gibt es Wasserspiele und Springbrunnen – manchmal auch als Spaß-Fontänen 🙂 Plötzlich spritzt es von der Seite oder von unten und man steht im Wasser. Zum Glück warnt uns Eugenia immer vor. Es ist aber lustig zuzusehen, wie es andere trifft 🙂 Was für ein Gekreische 😀

Am Ende des Park-Spaziergangs gelangen wir wieder zum Schloss. Diesmal mit Sicht vom Kanal aus. Wir sehen das Schloss und die Kaskaden-Fontänen in voller Pracht. Der Kanal war ursprünglich dafür gedacht, dass Besucher des Zaren mit ihrem Boot direkt von der Ostsee zum Schloss fahren konnten.

Am Horizont ziehen dunkle Wolken auf. Wir entscheiden uns dafür den Park etwas früher zu verlassen und schon zu unserem nächsten Ziel – dem Katharinenpalast – zu fahren.

Kurze Auszeit

Die Fahrt dorthin dauert wieder knapp eine Stunde. Schon während der Fahrt fängt es an ein wenig zu regnen … Und windig ist es auch ganz schön.

Am Katharinenpalast in Puschkin angekommen, haben wir erst einmal Gelegenheit in einem nahegelegenen Buffet-Restaurant etwas zu Mittag zu essen. Wir sind froh dem kalten Wind zu entkommen und erst mal eine warme Suppe zu essen. Astrid und ich entscheiden uns für Borschtsch – einem typisch russischen Gericht. Astrid nimmt die klassische Variante mit roter Beete und ich die „grüne“ Version mit Chicken. Wirklich sehr lecker!

Zusammen mit zwei Cola Zero, dem Borschtsch und zwei Pancakes (einer gefüllt mit Hack, der andere mit Quark) haben wir 800 Rubel bezahlt – umgerechnet 11 Euro. Wir haben natürlich keine Rubel dabei, daher zahlen wir mit Karte. Eugenia hätte uns aber auch die benötigten Rubel ausgelegt. Das alles gehört zum Service von Petersburg-hautnah, unserem Reiseveranstalter für die zwei Tage.

Beeindruckender Katharinenpalast

Gut gestärkt und aufgewärmt laufen wir zum Palast. Die russische Zarenresidenz wurde nach schwersten Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg möglichst originalgetreu wieder aufgebaut und enthält als besondere Attraktion die Rekonstruktion des Bernsteinzimmers. Die Original-Wandverkleidungen und das Interieur wurden 1941 als Kriegsbeute durch deutsche Besatzer geraubt und ab 1942 im Königsberger Schloss ausgestellt. Seit der ebenfalls kriegsbedingten Evakuierung des Schlosses von 1945 ist das Bernsteinzimmer verschollen.

Im Katharinenpalast befindet sich seit 2003 eine originalgetreue Nachbildung des Bernsteinzimmers.

Eugenia kauft schnell unsere Tickets und wir gehen durch das wunderschön verzierte Tor auf den großen Palastplatz. Über dem riesigen Gebäude thronen die goldenen Zwiebeltürme der Kirche der Auferstehung. Schnell laufen wir über den Platz zum Eingang. Es regnet immer noch ein wenig. Wir sind froh, dass wir gleich wieder im Trockenen sind 🙂

Endlich im Palast

Zuerst geht es durch einen ellenlangen Flur zur Garderobe. Im Palast sind keine dicken Jacken zugelassen, genauso wenig wie Rucksäcke und große Taschen. Unseren Rucksack haben wir schon vorsorglich im Bus gelassen und unsere Jacke geben wir jetzt gegen eine Pfandmarke ab. Kostenlos. Alles gut organisiert – aber Unmengen an Menschen laufen an der Garderobe herum, weil ja jeder seine Jacke abgeben muss. Die kleine Handtasche von Astrid ist übrigens kein Problem. Kleine Taschen wie z.B. Fototaschen darf man mitnehmen.

Wir arbeiten uns gemeinsam mit unserer kleinen Reise-Familie durch die Menschenströme zurück durch den langen Flur zum eigentlichen Eingang. Hier bekommen wir Überzieher für unsere Schuhe verpasst – wir wandeln gleich auf echten Original-Böden. Diese möchte man trotz der vielen Besucher so gut es geht schonen. Und nun den Fotoapparat in die Hand und los geht’s 🙂

Besichtigung des Katharinenpalastes

Obwohl wir bereits zum dritten Mal den Palast besichtigen sind wir wieder begeistert. Den Spiegelsaal finde ich sogar noch beeindruckender als das Bernsteinzimmer. In diesem riesigen mit Blattgold verzierten Saal finden immer wieder Veranstaltungen statt wie z.B. Tanz-Events.

Zug um Zug besichtigen wir alle Räume. Gold, Stuck, Spiegel, edelstes Porzellan, Gemälde oder Antiquitäten – ein Raum ist prunkvoller als der andere. Aufpasserinnen achten darauf, dass sich die Besuchermassen nicht unnötig stauen und scheuchen die Gruppen auch mal durch die Räume.

Rekonstruktion des verschollenen Bernsteinzimmers

Und gerade im Bernsteinzimmer werden alle Besucher recht schnell durchgeschleust. Klar, hier würde jeder gerne lange bleiben und staunen. Die gesamten Wände sind mit prachtvollen Mosaiken aus Bernstein gestaltet. Und durch die unterschiedlichen Farbtöne des Bernsteins entstehen dadurch Muster oder Bilder. Zum Teil wurden auch Figuren, Bilderrahmen oder Möbelstücke aus Bernstein gehauen. Beeindruckend! Hier dürfen übrigens keine Fotos gemacht werden und es wird wirklich penibel von den Aufpasserinnen darauf geachtet!

Übrigens sind wir inzwischen sehr froh darüber, dass wir unsere Jacken abgeben mussten. Durch die vielen Menschen ist es hier seeeehr warm.

Im Katharinenpark

Nachdem wir durch die Räumlichkeiten geführt worden sind, bleibt auch noch genügend Zeit für den angrenzenden Park. Hier ist es immer wieder schön, zumal die Bäume ihr schönstes Herbstkleid angezogen haben und die Sonne mit uns lacht.

So langsam schlendern wir wieder zurück zum Bus. Auf dem Weg dorthin zum Bus gabeln wir zwei verlorene Mitglieder einer anderen Sergej-Familie auf. Die beiden haben ihre Einheit verloren. Werden aber von uns selbstredend aufgenommen und zurück zum Schiff mitgenommen.

Wieder zurück in Sankt Petersburg

Eine Stunde dauert die Fahrt zurück in die Stadt. Es hat aufgehört zu regnen, aber es weht ein eisiger Wind. Gut, dass wir im windgeschützten Bus sitzen. Es geht durch die verkehrsstarken Straßen mit hohen Häuserreihen am Straßenrand. Und zwischendurch immer wieder goldene Kuppeln oder Türme. Wir lassen die beeindruckende Stadt auf uns wirken.

Wir halten für einen Fotostopp am Isaaksplatz mit super Blick auf die gleichnamige Kathedrale.

Wieder zurück am Schiff

Um kurz nach halb fünf sind wir wieder am Schiff, durch die Passkontrolle und auf der AIDA. Mann, ist das windig. Der Wind peitscht die Wellen über das Ufer. Das Schiff schaukelt wie bei heftigstem Seegang, obwohl es am Kai festgemacht ist.

Wir haben ein paar Minuten zum Entspannen. Denn heute Abend geht es weiter … Sergej bietet auch eine abendliche Lichtertour an. Das finden wir natürlich klasse. Gut ist auch, dass man diese Tour nicht im Voraus buchen muss, sondern man kann sich dazu im Laufe des Tages entscheiden. Auch wenn es kalt ist – wir wollen mit. Unser Treffpunkt dafür ist um 20:00 Uhr. Nun essen wir aber erst mal was im Calypso – „Karibische Märkte“ heißt das Thema (passend zum Hafen (ha ha 🙂 ) – verdammt lecker.

Sankt Petersburg bei Nacht

Rechtzeitig um 19:30 Uhr laufen wir los, sind wieder ruckzuck durch die Passkontrolle und warten im Hafenterminal auf unsere abendliche Lichtertour. Wieder werden kleine Gruppen gebildet und wir fahren mit Eva und Dennis, einem weiteren Pärchen und Petra, die heute Abend ohne ihren Bernhard unterwegs ist, los. Unsere Leitung übernimmt diesmal Julia und die ist mal so richtig klasse!!! Energiegeladen, spritzig und immer einen lustigen Spruch auf den Lippen.

Wir fahren durch das nächtliche Sankt Petersburg und sind komplett begeistert. Die Häuser sind alle wunderbar beleuchtet und erst die Kirchen und Paläste … Unbeschreiblich. Wir machen viele Fotostopps.

Ein Bad in der Newa

Am Fotostop bei den Sphinxen am Newaufer sprechen uns zwei Russen an, die schon ordentlich getankt haben. Der eine spricht sogar deutsch. Wir können gar nicht so schnell gucken und zwei Sekunden später liegen die beiden in der Newa! Dazu muss man sagen, dass die Newa gerade Hochwasser führt und ganz gut angestiegen ist. Die Beiden passen nicht auf und zack liegen sie komplett im Wasser.

Wir eilen schnell hin zu den Unglücksraben. Aber wir werden nicht gebraucht … Mühsam ziehen sie sich schon wieder aus dem eiskalten Wasser. Tropfnass wie die Katzen stehen sie am Ufer. Und was machen die als erstes als sie wieder rauskommen? Na klar, einen Schluck aus der Wodka Flasche nehmen. Wärmt ja auch…

Panzerkreuzer Aurora

Nächster Stopp: Der Panzerkreuzer Aurora. Das Schiff hat nach über zweijähriger Restaurierung in Kronstadt erst diesen Sommer wieder an seinem Stammliegeplatz vor dem Winterpalast fest gemacht.

Die Aurora ist ein Kriegsschiff der ehemaligen Kaiserlich Russischen Marine und liegt seit 1956 als Museumsschiff in Sankt Petersburg. Das Schiff gilt unter der Bezeichnung Panzerkreuzer Aurora als Symbol der Oktoberrevolution.

Wodka trinken wie ein Russe

Eine Überraschung: Plötzlich hält unser Minibus in einer dunklen Seitenstraße. Und Julia zeigt uns wie man „russisch“ Wodka trinkt. Sie erklärt uns, dass dies auf der Straße verboten ist. Daher bleiben wir einfach im Bus. Man benötigt dazu übrigens nicht nur Wodka, sondern auch eingelegte Salzgurken …

Und so lautet die Kurzeinweisung im Wodka trinken von Julia:

  1. Gut ausatmen
  2. Schnell einen Schluck trinken
  3. Wieder ausatmen
  4. Ein Stück Salzgurke essen

Durch das Ausatmen bleibt der Wodka nicht im Mund, sondern gelangt direkt in die Kehle. So wärmt der Wodka im Herzen 🙂 🙂 🙂  Selbst Astrid trinkt ein bisschen. Und es ist sogar heilsam – das seit Tagen anhaltende Halsweh ist plötzlich weg!

Spaziergang auf den Newski Prospekt

Der Abschluss unserer Tour bildet ein Spaziergang auf dem Newski Prospekt. Diese 4,5 Kilometer lange Prachtstraße im historischen Zentrum Sankt Petersburg ist Shopping-Meile und Sightseeing in einem. Einige der Hauptsehenswürdigkeiten findet man hier, wie z.B. die Blutkirche. Der Newski Prospekt ist eine der berühmtesten Straßen Russlands. Hier pulsiert das Leben! Was hier um halb zehn abends noch los ist! Unglaublich!

Der gesamte Newski Prospekt ist wunderschön beleuchtet. Besonders der Blick auf die beleuchtete Blutkirche ist atemberaubend. Es macht einfach Spaß hier zu laufen und die Stadt auf sich wirken zu lassen.

Russischer Supermarkt

Auf Wunsch von einigen von uns halten wir noch an einem 24 Stunden geöffneten Kaufhaus. Dieses ist vergleichbar mit unserem REAL oder der Metro. Sie wollen für Bekannte günstige Zigaretten mitbringen. Vielleicht auch einen Wodka. Das interessiert uns nicht so wirklich. Aber mal schauen was es bei den Russen so alles zu kaufen gibt…

Tja, es gibt alles was es bei uns auch zu kaufen gibt. Wir kaufen russische Schokolade. Interessant: Harter Alkohol darf ab 22:00 Uhr nicht mehr verkauft werden. Daher sind die entsprechenden Gänge abgesperrt. Nur Bier darf noch verkauft werden … Und Zigaretten kaufen ist auch nicht so einfach. Man erhält sie nur an einem ganz bestimmten Schalter. Dort werden sie in einem Hochsicherheitsschrank aufbewahrt und nur auf direkten Wunsch ausgehändigt. Hier macht man es Rauchern so schwierig wie möglich. Hat irgendwie was …

Schöner Ausklang mit Currywurst

Wir machen uns auf den Rückweg zum Schiff. Am Hafenterminal ist außer uns niemand mehr. Nur noch ein Zollschalter ist offen, alles geht ruckzuck. Und kurz nach 23 Uhr sind wir wieder an Bord. Wir hatten einen wirklich schönen Tag und wollen ihn gemeinsam ausklingen lassen. Auf dem Pooldeck gibt es heute die „scharfe Ecke“ – sprich Currywurst. Perfekt!

Wie nicht anders zu erwarten ist um diese Uhrzeit und bei dieser Kälte auf dem Pooldeck so gar nichts los. Nur noch eine andere Gruppe, die bei Sergej den Abendausflug gebucht hat, ist da. Das war es dann auch schon.

Wir lassen uns die Currywurst schmecken. Und kurz vor zwölf gehen wir auf unsere Kabine. Morgen wollen wir uns kulturell geben und besichtigen die berühmte Eremitage. Aber das ist die Geschichte von morgen. „smiley“

Gute Nacht

 

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